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Buchtipps - Belletristik

Louis Chabos wächst in einem Waisenhaus in Mailand auf. Er tritt derArmee Napoleons bei und lernt die Grauen des Krieges im Russlandfeldzug kennen. Bei seiner Rückkehr setzt er sich das Ziel, seine Eltern zu finden. Nacheiner eher erfolglosen Reise zurück zumWaisenhaus setzt Lois Chabos sich in Graubünden zur Ruhe und gründet eine Familie. Was nach dem gefundenen Glück und einem ruhigen Leben aussieht, ändert sich schlagartig als Louis Chabos einen Hinweis auf seinen unbekannten Vater erhält, der ihn nach Paris ruft.

Auf einer Eisenbahnfahrt durch die endlose Steppe Kasachstans lernt der Erzähler einen virtuosen Geiger kennen, dessen großartiges Spiel ihn zutiefst berührt. Er schätzt den Knaben auf zehn oder zwölf, doch tatsächlich ist der Musiker 27 Jahre alt. Die lange Zugreise bietet genug Zeit, in der Erjan seine Lebensgeschichte erzählt: Aufgewachsen mit Eltern und Großeltern in der kasachischen Steppe, verliebt er sich in Aysulu, doch seine Welt zerbricht, als er durch die Auswirkungen sowjetischer Atomtests aufhört zu wachsen.

Gleich zu Beginn die Warnung: Dieser Roman hat eine Wucht und entwickelt zugleich einen solch' erzählerischen Sog, dass ich mich nach der letzten Seite einige Tage davon erholen musste. Wohl auch deshalb, weil das, was hier erzählt wird, so bestürzend gegenwärtig ist: In Europa brennen die Wälder, Hitze und Dürre plagen Natur und Mensch, das Wasser ist knapp.

Es ist Sommer und sehr heiß im einzigen FRAUENfreibad Deutschlands. Dort badet frau oben ohne, im Bikini, im Badeanzug oder Burkini. Jede folgt dabei anderen Regeln. Das führt immer wieder zu Reibereien, die von der überforderten Bademeisterin geschlichtet werden müssen. Als dann auch noch eine Gruppe komplett verhüllter Frauen das Frauenfreibad begeistert für sich entdeckt, fliegen buchstäblich die Fetzen: Wem gehört das Bad und wer bestimmt die Regeln? Wem gehört der weibliche Körper? Und wann ist dann überhaupt eine Frau eine Frau?

Der Ich-Erzähler, ein seit dem frühen Tod seiner Frau alleinerziehender Vater, hat sich um seine beiden Söhne so gut wie möglich gekümmert, und glaubt, sie zu ordentlichen Menschen erzogen zu haben. 

Iglhaut - so heißt die Hauptfigur in diesem Roman - betreibt im Hinterhof eines Münchener Miethauses ihre Schreinerwerkstatt.  Ihr Name könnte gar nicht besser passen, denn Iglhaut ist eine, die nicht leicht zu haben ist. Und doch erliegt man ihrem raubastigen Charme sofort. Sie kämpft mit wechselnden Launen und chronischen Geldproblemen, mit schlechten Backenzähnen und Ex-Liebhabern.

Ulm, im Mai 1932: Mit nicht viel mehr als etwas Proviant und dem kühnen Plan, nach Zypern zu paddeln, lässt Oskar Speck sein Faltboot zu Wasser. In sechs Monaten will er zurück sein. Aber alles kommt anders. Gepackt von sportlichem Ehrgeiz, begleitet von Jazzmusik und Mark Twains weisem Witz, gejagt von den Nationalsozialisten, die aus dem Faltbootfahrer einen deutschen Helden machen wollen, fährt der schweigsame Einzelgänger von Zypern aus immer weiter in die Welt. Ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Gili, die sich, wie er, den Widrigkeiten der Zeit entgegenstellen muss.

Das titelgebende Vorkommnis ereignet sich gleich auf der ersten Seite: Eine Autorin liest in einer norddeutschen Stadt aus ihrem neuen Roman vor. Im Anschluss an die Veranstaltung tritt eine Frau an den Signiertisch und sagt lapidar: „Wir haben übrigens denselben Vater.“ Eine Begegnung, die das Leben der Autorin auf den Kopf stellt und ihr Bild von Familie und Zugehörigkeit noch dazu. Jeder, so sagt Julia Schoch es in einem Interview, habe eine Erzählung von sich selbst, in der alles und jeder seinen festen Platz habe.

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